
Eindrücke von der Wiedereröffnung
Wiedereröffnungsfeier des Hermann-Gocht-Hauses
Zwickau. Am 14. Juli feierten die Bewohner des Hermann-Gocht-Hauses mit einer großen Festveranstaltung die Wiedereröffnung ihres sanierten Wohnheimes. Den Festgottesdienst mit Landesbischof Jochen Bohl verfolgten mehr als 200 Personen im voll besetzten Festzelt. In seiner Predigt hob der Bischof hervor, dass sich Jesus in besonderer Weise den stummen, gehörlosen und blinden Menschen zuwandte. Die Gefahr der Ausgrenzung durch eine eingeschränkte Kommunikation empfinde er als bedrückend, so Bohl. Umso wichtiger sei es, den Menschen ohne Stimme, Gehör oder Augenlicht eine Lebenswelt zu schaffen, in der man sich wohlfühlen könne. Mit der Bitte um den Segen für das Haus und seine Bewohner endete der Gottesdienst, der von Superintendent Eberhard Dittrich und Pfarrer Stephan Richter mitgestaltet wurde. Als Ausgegrenzte fühlten sich die Gehörlosen sicher nicht: der Gottesdienst wurde von zwei Dolmetscherinnen in die Gebärdensprache übersetzt. Selbst Taubblinde konnten beispielsweise die erfrischend vorgetragenen Lieder über eine spezielle Sprache – das so genannte Lormen – verfolgen.
Den Schlüssel für das sanierte Heim bekamen der Direktor der Stadtmission Zwickau und der 69jährige Werner Neubert symbolisch überreicht. Mit Dankbarkeit blicke er auf die nicht immer einfache Zeit während der Bau- und Sanierungsphase, so Rolf Schlagmann. Nun könne wieder Leben in das neue, alte Haus einziehen.
Stephan Pöhler, Beauftragter für die Belange behinderter Menschen im Freistaat Sachsen, brachte seine Freude über die Fertigstellung dieser Einrichtung in seinem Grußwort zum Ausdruck. In der Region Zwickau nähmen das Hermann-Gocht-Haus, der Studiengang Gebärdensprachdolmetschen der Westsächsischen Hochschule Zwickau (FH) und das Gehörlosenzentrum Zwickau e. V. sowie viele andere eine wertvolle Aufgabe an hörgeschädigten Menschen wahr. Freude und Würdigung über das in den letzten Jahren Erreichte klang auch bei den Grüßen der Landtagsabgeordneten Kerstin Nicolaus und der Sozialbürgermeisterin Dr. Pia Findeiß besonders an. Reich beschenkt wurde der Heimleiter Achim Barth von seinen Mitarbeitern, die ihm für seinen unermüdlichen Einsatz in den letzten Wochen Respekt zollten.
Bereits am frühen Nachmittag nutzten viele Besucher die Gelegenheit, um sich einen Eindruck von dem Haus zu verschaffen. Die intensiven Führungen boten den Interessierten einen Blick in die Lebenswelt hör- und sehgeschädigter Menschen. Viele Besonderheiten galt es zu entdecken. Zum Beispiel die besondere Farbgestaltung des Hauses: sie orientiert sich an den Bedürfnissen seheingeschränkter Menschen. An den Türen stehen die Namen der Bewohner in gewohnten Schriftzeichen und auch in Blindenschrift. Damit Hörgeschädigte das Klingeln an der Tür wahrnehmen, wurde eine spezielle Lichtblitzanlage eingebaut.
Am Rande der Veranstaltung gab es für viele Bewohner ein herzliches Wiedersehen mit Verwandten, Freunden oder früheren Mitarbeitern. Zum Beispiel mit Gottfried Seifert, der 18 Jahre lang bis 1987 im Hermann-Gocht-Haus als Hausvater wirkte. Er wusste von Bautätigkeiten vor über 30 Jahren zu berichten, um den damaligen Wohnstandard zu verbessern.
Für Unterhaltung sorgten unter anderem die Löwenzahnband aus Zwickau und der Pantomime Ralf Herzog aus Radebeul. Er verstand es, seine Zuschauer mit ausdrucksstarken Bewegungen und Gesichtszügen zum Lachen zu bringen. Den Höhepunkt des Abends bildete eine Licht- und Feuershow, die das Haus in interessante Farben tauchte.
Für die Bewohner und mehr als 30 haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter mündete die aufregende Vorbereitungszeit in einem ereignisreichen Fest bei herrlichem Sonnenschein. Die Eröffnungsfeier war ein wichtiger Meilenstein, um mit neuer Kraft an die vielen Handgriffe zu gehen, die noch nötig sein werden. Eines war jedoch heute schon klar: Mit dem Einzug der Bewohner ist das Leben ins Hermann-Gocht-Haus zurückgekehrt.
Bilder zur Wiedereröffnung
erstellt von: Benjamin Müller (Öffentlichkeitsarbeit)

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