Denkwerkstatt mit Mernousch Zaeri-Esfahani

 

Interkulturell kompetent – aber wie? Unter diesem Thema hatte die Stadtmission Zwickau am 15. März Mitarbeitende von Ämtern und Behörden der Stadt und des Landkreises sowie sozialer Einrichtungen zu einer Denkwerkstatt mit der iranischen Autorin Mernousch Zarei-Esfahani eingeladen. Der Saal im Katholischen Pfarrzentrum „manufaktur“ war mit rund 80 erwartungsvollen Gästen sehr gut gefüllt. Zaeri-Esfahani, die mit elf Jahren zusammen mit ihrer Familien nach Deutschland flüchtete, verband in ihrem zweistündigen Vortrag spielerisch wissenschaftliche Erkenntnisse über verschiedene Kulturen mit lebendigen Beispielen aus ihrem eigenen Leben. Die Stärke der Denkwerkstatt zeigte sich in Fokussierung auf wesentliche Kernthemen. Sie wählte hierfür das in den Kulturen der Welt sehr unterschiedliche Zeitverständnis und die großen Gesellschaftsmodelle des Kollektivismus und des Individualismus. Am Beispiel des Zeitverständnisses wurde schnell deutlich, dass wir in Deutschland mit einem streng getakteten Zeitverständnis leben. Die restliche Weltbevölkerung, die 95 Prozent ausmacht, hat ein völlig anders Verhältnis zur vergehenden Zeit. Viele Beispiele zum Schmunzeln, wie wir Deutschen planen und schon genau wissen, was wir wann tun wollen, malten eindrücklich vor Augen in welch hochorganisierter Gesellschaft wir leben. Dass Geflüchtete, die weder unser Zeitverständnis, noch unser individualistisches Gesellschaftsmodell kennen oft Schwierigkeiten haben hier anzukommen, müsste deshalb nicht wundern. Doch auch die auf das Individuum zentrierte westliche Gesellschaft hat Ihre Tücken, denn sie neigt dazu, weitreichende Phänomene wie Einsamkeit hervorzubringen. Deshalb hilft uns vielmehr das Wissen darum, nicht mangelnde Integrationsbereitschaft mit fehlenden Verstehen der Grundlagen des Zusammenlebens in westlichen Gesellschaften zu verwechseln. Und so war es zuletzt der gewinnende Blick auf das große Ganze, der um Verständnis für die Vielfalt wirbt und dazu herausfordert, Menschen und ihre Kulturen und Sichtweisen kennenzulernen. Mernousch Zaeri-Esfahani hat sich an den Takt in Deutschland gewöhnt und wirbt für eine offene, westliche Kultur, die sie für sich zu ihrer eigenen gemacht hat. Und so endete der Abend auch pünktlich 19 Uhr – wie abgesprochen.

„Gefördert wurde das Projekt im Rahmen des Bundesprogramms Demokratie Leben durch die Zwickauer Partnerschaft für Demokratie. Die Maßnahme wurde mitfinanziert mit Steuermitteln auf Grundlage des von Abgeordneten des Sächsischen Landtags beschlossenen Haushaltes im Rahmen des Landesprogramms „Weltoffenes Sachsen für Demokratie und Toleranz“.

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