LIGA-Positionierung zur Rückkehrberatung in Sachsen

 

Rückkehr- und Perspektivberatung ist eine individuelle, umfassende, qualifizierte Beratung zu allen Fragen, die im Zusammenhang mit der Rückkehr und Reintegration in das Heimatland von Migrant*innen und Geflüchteten bestehen. Auch die Diakonie Stadtmission Zwickau betreibt eine unabhängige Beratungsstelle dieser Art seit Mitte 2016.

Die sächsische Regierung hat sich in ihrem aktuellen Koalitionsvertrag dazu bekannt, dass die Wahrung der Menschenwürde Maßstab für die humane und rechtsstaatliche Gestaltung des bestehenden Asyl- und Aufenthaltsrechts sowie des Vollzugs von Ausreisepflichten zu sein hat. Sie bekräftigt den Vorrang der Freiwilligen Rückkehr vor Abschiebungen und beabsichtigt daher die Stärkung der freiwilligen Rückkehrberatung.

In der aktuellen Positionierung Liga der Freien Wohlfahrtspflege Sachsen sind wichtige Kriterien für eine solche nachhaltige, freiwillige Rückkehr- und Perspektivberatung benannt. Die Diakonie Stadtmission Zwickau unterstützt diese Positionierung.

Qualifizierte Fachkräfte, verlässliche Finanzierung, Unabhängigkeit und nachhaltige Reintegrationsangebote sind notwendige Rahmenbedingungen und Voraussetzungen für ein solches Beratungsangebot durch freie Träger. Die Zusammenarbeit mit dem Landkreis Zwickau, als wichtigsten Partner der Beratungsstellen in diesen Belangen, zeigt sich seit dem Aufbau des Arbeitsgebietes als „Ziehen an einem Strang“ mit gleicher Grundhaltung, was wir sehr positiv bewerten.

Ein Erfahrungsbericht kann Einblicke in die Alltagsarbeit der Rückkehrberatung vermitteln:

In einer Erstberatung von 2 Irakern wird der Wunsch nach Rückkehr in das Herkunftsland geäußert, verbunden mit der Frage, welche Hilfen und Förderungen hierbei zu erwarten sind. Die Arbeit beginnt mit der Frage der Passbeschaffung bzw. Passersatzpapieren (Planung der Fahrt der Klienten zur Botschaft nach Berlin, Zusammenstellung der Unterlagen, kleinschrittige Hilfen zur Orientierung in Berlin, bei möglichen Sprachschwierigkeiten). Im nächsten Schritt muss ein REAG GARP* Antrag gestellt werden, der bei der IOM* (internationale Organisation für Migration) die Kostenübernahme der Flüge und Fördergelder zur Reintegration im Irak bereitstellt. Darüber hinaus müssen folgende Themen für die Klienten bearbeitet werden (Kündigung der Wohnung, Verkauf von vorhandenem Mobiliar, Organisation von Umzugshelfern und einem Sperrmüll, Kündigung von Mobilfunk und anderen Verträgen). Eine große Frage bei Ausreisen ist, ob medizinische Besonderheiten vorliegen (d.h. notwendige Versorgung mit Medikamenten, Arztberichte, die zur Weiterbehandlung erforderlich sind, medizinische Hilfsmittel für eine Flugreise, Klärung der Flugtauglichkeit,…).Ist der Förderantrag bei IOM bearbeitet und bewilligt, muss die Fahrt zum Flughafen, Geldauszahlung und der Kontakt zur Bundespolizei am Flughafen zur Aushändigung der Papiere besprochen werden. Ein weiteres Förderprogrammsetzt sich zum Ziel, Qualifikationsmöglichkeiten vor Ort zu bieten, damit ein beruflicher Neustart wahrscheinlich werden kann. Dies zu beantragen ist auch noch Teil der Arbeitsphase in Deutschland. Ein letzter Anruf im Irak gibt uns Auskunft über eine gelungene Ankunft. Von da an hoffen alle auf einen würdevollen Start im Heimatland.

REAG GARP = Reintegration und Emigration Programme for Asylum-Seekers in Germany Government Assisted Repatriation Programme
Projekt “Bundesweite finanzielle Unterstützung freiwillig Rückkehrender“
IOM= international organisation for migration / the UN migration agency

https://www.stadtmission-zwickau.de/aktuelles_rueckblicke_200721_liga-positionierung_zur_rueckkehrberatung_in_sachsen_de.html