#zuhören - 150 Jahre Stadtmission Zwickau

 

Unter dem Motto „#zuhören“ kamen am Sonntag Invokavit Mitarbeitende, Freunde und Wegbegleiter der Diakonie Stadtmission Zwickau e. V. zusammen, um das 150-jährige Bestehen der evangelischen Wohlfahrtspflege vor Ort zu feiern. Auch Bewohner der Einrichtungen und Klienten der ambulanten Angebote erlebten den Festgottesdienst im Dom St. Marien mit. Pfarrer Ulrich Lilie, der Präsident der Diakonie Deutschland, untersuchte in seiner Predigt die bekannte Geschichte des blinden Bartimäus (Mk 10,46-52) neu. Jesu Frage „Was willst du, dass ich dir tue?“ wurde zur Handreichung für eine moderne Diakonie. Wir hören erst zu, finden heraus, was unser Gegenüber braucht und helfen dann auf Augenhöhe. Bartimäus machte sich nach seiner Heilung mit Jesus auf den Weg. Auch die Stadtmission will sowohl in der Nachfolge Jesu als auch ganz konkret mit den Menschen gemeinsam unterwegs sein.
Der Gottesdienst wurde musikalisch ausgestaltet von Bläsern der Pauluskirchgemeinde unter der Leitung von Kantor Matthias Grummet und von einem kleinen Chor von Mitarbeitenden, mit dem Kirchenmusikdirektor Henk Galenkamp geprobt hatte.

Im Anschluss fand sich die Festgesellschaft im Bürgersaal des Rathauses ein, wo die Vorstandsvorsitzende Gabriele Floßmann gemeinsam mit dem Geschäftsführer des Diakoniewerkes Westsachsen feierlich die intensivierte Zusammenarbeit der beiden Werke verkündete und die Geburtstagstorte zu 150 Jahren Stadtmission anschnitt.

Die Oberbürgermeisterin der Stadt Zwickau, Dr. Pia Findeiß stellte in ihrem Grußwort fest, dass es Stadtmission Zwickau gelingt, nüchterne Begriffe wie Alten- oder Jugendhilfe mit Leben zu erfüllen und nicht als kühler Verrichter öffentlicher Aufgaben wahrgenommen wird, sondern Liebe, Freude und ein friedliches Miteinander in die Stadtgesellschaft hineinbringt. Dafür dankte sie den Mitarbeitenden ausdrücklich und dem Verein dafür, dass er so vielen Zwickauern auch ein verlässlicher und fairer Arbeitgeber ist.

Dr. Christoph Scheurer, Landrat des Landkreises Zwickau, erinnerte als Christ und Synodaler daran, dass Christen von jeher für die Teilhabe der Schwächeren im Gemeinwesen sorgten und dass es gut ist, diese Lebensäußerung der Landeskirche hier im Landkreis zu haben. Als Kommunalpolitiker betonte er, in der Stadtmission Zwickau einen „zuverlässigen, sicheren, wenn auch nicht ganz billigen Partner“ zu haben. Er dankte den Mitarbeitenden dafür, dass sie oft mehr tun als sie müssten.

Schließlich lobte Oberkirchenrat Dietrich Bauer, der Vorsitzende der Diakonie Sachsen, die Idee, das Jubiläum mit einer Tischgemeinschaft am 16. Mai auf dem Hauptmarkt zu feiern, denn das Wort Diakonie gehe in seiner Bedeutung auf das Dienen zu Tisch zurück. An einem Tisch kommen Menschen zusammen und begegnen vielleicht in der Gemeinschaft auch Jesus. Alte und Junge, Gesunde und Kranke, Starke und Schwache. So sind wir als Diakonie Gebende und Empfangende gleichermaßen. Und solch eine Fülle des Lebens wünschte der Bauer dann auch für die nächsten 150 Jahre.

Am Vormittag war eine kleine Gruppe von Ehrengästen bereits gemeinsam unterwegs. Mit einem kleinen Oldtimerbus besuchte Diakoniepräsident Ulrich Lilie zusammen mit Gabriele Floßmann, OKR Dietrich Bauer, Dr. Pia Findeiß und weiteren Vertretern aus Politik und Gesellschaft Einrichtungen der Stadtmission Zwickau. Im Historischen Dorf hinterließen sie nach der Besichtigung Handabdrücke in einem großen Lehmziegel, bevor es im Kaminzimmer des Marthaheimes eine Kaffeetafel und ernste Gespräche über die auskömmliche Finanzierung einer guten Pflege gab. Im Tagestreff der Wohnungsnotfallhilfe wurden Crêpes gebacken und die Fahrradwerkstatt besichtigt. Stille Post spielten die Teilnehmenden schließlich im Hermann-Gocht-Haus, wo sie lernten, wie das Lorm-Alphabet für Menschen funktioniert, die weder hören noch sehen können. Überall standen Klienten, Bewohner und Ehrenamtliche bereit, um ihre Einrichtung vorzustellen.

Am 1. März 1869 als Kreisverein für innere Mission gegründet entwickelte sich der Träger stetig weiter und ist heute mit rund 750 Mitarbeitenden und 150 Ehrenamtlern in der Altenhilfe, in der Behindertenhilfe und in der offenen Sozialarbeit für tausende Klienten im ganzen Landkreis Zwickau im Einsatz.



https://www.stadtmission-zwickau.de/rueckblicke_190315_festgottesdienst_usw_de.html